Wenn man von Tierlärm in der Nachbarschaft spricht, denkt fast jeder sofort an Hunde. Und das nicht zu Unrecht – bellende Hunde sind tatsächlich die häufigste tierische Lärmquelle in Mehrfamilienhäusern. Aber wer einmal neben einem Nachbarn gewohnt hat, der mehrere Katzen hält, eine Voliere mit Sittichen betreibt oder einen Hahn im Garten hat, weiß: Hunde sind nicht das einzige Tier, das den Alltag verändert.
Katzen – leiser als Hunde, aber nicht lautlos
Katzen gelten als ruhige Tiere. Und das stimmt meistens. Aber Katzen, die nachts aktiv sind – und das sind die meisten –, können erheblichen Lärm erzeugen: Das Rennen über Hartboden um 3 Uhr morgens. Das Springen von der Fensterbank auf den Küchenboden. Das gelegentliche Miauen oder Streiten zwischen mehreren Katzen. Alles Geräusche, die sich in einem Altbau oder Neubau mit schlechtem Schallschutz sehr direkt ans Ohr des Nachbarn darunter übertragen.
Was das besonders schwierig macht: Katzenhalter nehmen es selbst oft nicht wahr, weil sie entweder tief schlafen oder sich an die nächtliche Aktivität ihrer Tiere gewöhnt haben. Das Gespräch darüber ist manchmal heikel – weil der Katzenbesitzer subjektiv empfindet, sein Tier mache keinen Lärm.
Vögel – intensiver als erwartet
Ein Wellensittich, zwei Nymphensittiche, eine Voliere mit Kanarien – das klingt nach Natur und Gemütlichkeit. Von einer Wohnung weiter weg klingt es manchmal nach etwas anderem. Vögel können in bestimmten Tageszeiten sehr laut sein: morgens beim ersten Licht, wenn sie aktiv werden und kommunizieren. Ein größerer Papagei ist dazu in der Lage, Lautstärken zu erreichen, die durchaus als Störung wahrgenommen werden.
Was viele nicht wissen: Papageien und Kakadus können nicht nur laut schreien, sondern tun das auch ausdauernd – besonders wenn sie sich allein oder gestresst fühlen. Und das kann in einem Mehrfamilienhaus ein echtes Problem werden, vor allem wenn die Wände dünn sind.
Nager und exotische Tiere
Meerschweinchen, Hamster, Ratten – das klingt nach kleinen, stillen Tieren. Und in den meisten Situationen sind sie das auch. Aber nächtliche Aktivität, Laufräder und Käfiggeräusche können, wenn sie über der eigenen Schlafzimmerdecke stattfinden, den Schlaf empfindlich stören. Gerade Hamster sind nachtaktiv und genau das macht ihre Geräusche so präsent – genau dann, wenn man selbst schlafen möchte.
Tiere im Garten – Hähne und mehr
Wer in einem Wohngebiet mit Gärten wohnt, kennt vielleicht das Phänomen des Nachbars, der ein Huhn oder einen Hahn hält. Hähne sind im Volksmund für ihren frühen Morgenruf bekannt – aber sie krähen nicht nur einmal um 6 Uhr und schweigen dann. Sie sind unregelmäßig aktiv, auch tagsüber, und ihr Krähen ist laut genug, um durch Fenster und Wände zu dringen.
In städtischen Wohngebieten ist das Halten von Hähnen vielerorts durch kommunale Regeln eingeschränkt. Ob diese Regeln im eigenen Wohnort gelten, lässt sich beim zuständigen Ordnungsamt erfragen.
Wie man mit Tierlärm vom Nachbarn umgeht
Das Gespräch bleibt der erste Schritt – auch hier. Aber es braucht mehr Fingerspitzengefühl als bei anderen Lärmquellen, weil Tierbesitzer oft eine enge emotionale Bindung zu ihren Tieren haben. Der Ton sollte noch sachlicher, noch weniger konfrontativ sein als sonst.
Was hilft: konkret sagen, welches Tier zu welcher Zeit wie zu hören ist – statt allgemein zu klagen. Ein Nachbar, der hört „deine Katze läuft jeden Morgen gegen halb vier über mir rum und weckt mich auf“, kann mit dieser Information etwas anfangen. „Deine Tiere sind laut“ nicht.
Wenn das Gespräch keine Wirkung zeigt und der Lärm anhält, gelten dieselben Wege wie bei anderen Lärmquellen: Dokumentation, Beschwerde beim Vermieter, bei Verstößen gegen Hausordnung oder kommunale Regeln gegebenenfalls das Ordnungsamt.
Wer sich speziell mit Hundelärm beschäftigt, findet dazu mehr im Artikel Hundegebell vom Nachbarn – was wirklich hilft.
